[New Commerce]

Wuunder-Mitbegründer für mehr Koope­ra­tion auf der letzten Meile

Bei der Liefe­rung von Waren ist es ein wenig wie beim Reisen mit mehreren Verkehrs­mit­teln: Während der Groß­teil der Strecke schnell zurück­ge­legt wird, dauert das letzte Stück bis zum Zielort am längsten.

von Jeroen Gehlen
Die Kep-Dienstleister sollten auf der letzten Meile enger zusam­men­ar­beiten. FOTO: Initia­tive urbane Logistik
Bei der Zustel­lung birgt die letzte Meile zudem den höchsten Kosten­an­teil und ist oft der Grund für Beschwerden von Kunden. Wie kann das Ende der Trans­port­kette opti­miert und die letzte Meile effi­zi­enter gestaltet werden?

Geteilte Wege, gemein­same Hubs

Das Problem ist in der Branche schon länger bekannt, doch es passiert nur wenig. Theo­re­tisch gäbe es Möglich­keiten und Lösungs­an­sätze, die Auslie­fe­rung auf diesem letzten Stück zu verbes­sern, doch dafür müssten alle Akteure enger zusammenarbeiten.

Zunächst einmal ist es inef­fi­zient, dass zahl­reiche Liefer­fahr­zeuge unter­schied­li­cher Dienst­leister täglich die glei­chen Adressen anfahren, wenn diese gemeinsam genutzt werden könnten. Doch nach einheit­li­chen Lösungen oder Abspra­chen zwischen Dienst­leis­tern und Kommunen sucht man verge­bens. Lade­zonen, Mikro­hubs oder andere Ansätze werden bereits zahl­reich in Zukunfts­vi­sionen disku­tiert, doch einen zentralen Ansprech­partner für diese Projekte gibt es nur selten. Jeder kocht sein eigenes Süppchen.

Statt­dessen könnten inner­städ­ti­sche Lager gemeinsam genutzt werden. Liefer­fahrer, egal ob mit Lkw, Lastenrad oder E‑Auto, könnten Waren unter­schied­li­cher Dienst­leister gebün­delt zum Zielort bringen.

Auch könnten sie Pack­sta­tionen und Paket­shops glei­cher­maßen bedienen, sollte der Empfänger gerade nicht erreichbar sein – eben­falls unab­hängig vom Dienst­leister. Statt­dessen besitzen nicht nur Hermes, DHL und Co. jeweils ihren eigenen Fuhr­park, auch DM und Rewe haben inzwi­schen eigene Services dafür eingerichtet.

Zu den Liefer­wagen gesellen sich nun zahl­reiche Lasten­räder. Die Zahl der einge­setzten Cargo­bikes reicht von rund 70 bei Hermes über mehr als 100 bei UPS bis zu 28.200 bei DHL und Deut­scher Post. Für GLS fahren in Deutsch­land rund 450 Lasten­räder und E‑Transporter. Hermes setzt nach eigenen Angaben derzeit mehr als 360 E‑Transporter ein, was 30 Prozent der eigenen Flotte entspricht. Sie alle argu­men­tieren mit nach­hal­tigen Versand­wegen und Kosten­ein­spa­rungen, doch ginge das nicht noch besser?

An einem Strang ziehen

Um Kosten und vor allem signi­fi­kant Pakete einzu­sparen, müssen Händler, KEP-Dienste und auch Endkunden enger zusam­men­ar­beiten. Frust und Kosten auf allen Seiten wachsen vor allem dann, wenn mehrere fehler­hafte Zustell­ver­suche erfolgen.

Die Lösung ist simpel: Endkunden müssen früh­zeitig in diesen Prozess mit einge­bunden werden. Sie müssen entscheiden können, wann das Paket ausge­lie­fert werden soll, und einsehen können, wo es sich gerade befindet. So können sie Abstell­ge­neh­mi­gungen erteilen oder even­tuell einfach noch fünf Minuten länger zu Hause bleiben, um das Paket entge­gen­zu­nehmen. Aber die meisten KEP-Dienste geben das Zustell­fenster nach dem Beladen des Liefer­fahr­zeugs am Morgen des eigent­li­chen Zustell­tages an. Und werden mehrere Bestel­lungen in der Zustel­lung zusam­men­ge­legt, können zusätz­lich Kosten einge­spart werden. Tech­no­lo­gi­sche Lösungen, die auch einen Live-Support und Tracking einbe­ziehen, sind bereits vorhanden und müssten nur entspre­chend genutzt werden.

Des Weiteren sind es beson­ders Retouren, die die Kosten in die Höhe schnellen lassen. Ein Service, den zwar viele Kunden erwarten, der aber beim Händler und nicht zuletzt beim Liefe­ranten für Mehr­ar­beit sorgt. Hat der Empfänger keinen Anlass, Waren zurück­zu­senden, könnten Kosten redu­ziert und gleich­zeitig die Zufrie­den­heit des Kauf­pro­zesses gestei­gert werden. Das bedeutet für Händler vor allem, ein tiefes Verständnis für die Bedürf­nisse der Kunden aufzu­bauen und fort­wäh­rend zu pflegen.

Ein essen­zi­elles Stich­wort lautet Erwar­tungs­ma­nage­ment: Wissen Käufer von vorn­herein, was sie erwartet, gibt es keinen Grund für eine Rück­sen­dung. Dazu gehören beispiels­weise eine wahr­heits­ge­treue Bebil­de­rung der Ware, korrekte Angabe von Größen und möglichst detail­lierte Produktbeschreibungen.

Schnell, schneller, am schnellsten

Für Verär­ge­rung und auch Frust über Paket­boten sorgt vor allem der Quick-Commerce, welcher die Auslie­fe­rung von Online-Bestellungen inner­halb einer Stunde oder schneller verspricht. Hierbei wird auf soge­nannte Dark Stores gesetzt, mobile oder statio­näre Sammel­punkte für Waren in Innen­stadt­lagen oder Wohn­ge­bieten, in denen Produkte kurz zwischen­ge­la­gert und dann auf emis­si­ons­arme Fahr­zeuge umge­laden werden. Auch beim Quick-Commerce kann, wie beim E‑Commerce, das letzte Stück Weg bis zum Kunden noch opti­miert werden, beispiels­weise durch eine verbes­serte Tourenplanung.

Dadurch könnten auch Emis­sionen einge­spart werden. Dass Nach­hal­tig­keit den KEP-Diensten wichtig ist, zeigt der vermehrte Einsatz von Lasten­fahr­rä­dern und Elek­tro­fahr­zeugen. Dies ist aufgrund der kürzeren Stre­cken und erhöhter Stopp­dichte bislang haupt­säch­lich in Groß­städten und nicht in länd­li­chen Regionen umsetzbar. Und beim Thema Nach­hal­tig­keit muss nicht nur die letzte Meile neu gedacht werden. Auch die erste und mitt­lere Meile müssen mittel­fristig effi­zi­enter gestaltet werden.

Jeroen Gehlen ist Mitgründer der inter­na­tio­nalen Online-Transportmanagement-Plattform Wuunder und seit mehr als 20 Jahren im Bereich Versand und Logistik tätig. Für TNT/Fedex entwi­ckelte er als Global Director Pick-up & Deli­very Opti­miz­a­tion and Inno­va­tion beispiels­weise ein Frame­work für eine voll­ständig digi­ta­li­sierte Platt­form für die Echtzeitkommunikation.