[Smart City]

City­lo­gistik groß gedacht

Von Carla Werster­heide

Flexible Zustell­kon­zepte sind nicht nur für KEP-Dienste inter­es­sant. Auch Rhenus setzt sich mit dem Thema ausein­ander und will Paket­boxen für sper­rige Güter aufstellen.

Rhenus will Paket­boxen für große Sendungen noch in diesem Jahr in Berlin testen. Im KEP-Markt ist diese Form der flexi­blen Zustel­lung kaum noch wegzu­denken. Und was für kleine Pakete funk­tio­niert, kann auch in großem Stil ange­wendet werden, sagt Jonas von Frie­ling, Leiter des Inno­va­tion Hubs der Geschäfts­zweige Rhenus Home Deli­very und Rhenus High Tech. Sendungen können gebün­delt ange­lie­fert und vom Empfänger zu jeder Tages- und Nacht­zeit von den intel­li­genten Paket­lo­ckern abge­holt werden. „Nicht jeder Kunde kann sich für solche Liefe­rungen einen Tag Home­of­fice einplanen, um zu Hause zu warten“, sagt von Frie­ling. Dinge, die Kunden sich per Spedi­tion anlie­fern lassen, sind oftmals keine Güter, die einfach so mit dem privaten Pkw oder einem Lastenrad abge­holt werden können. Doch beispiels­weise Fern­seher oder Möbel, die aufgrund des Gewichts und der Größe nicht von Paket­diensten zuge­stellt werden und auch nicht in deren Pack­sta­tionen passen, könnten an die Rhenus-Station gelie­fert werden, sagt von Frie­ling. „Neben dem klas­si­schen Zwei-Mann-Handling und dem regu­lären Paket­dienst gibt es noch das Ein-Mann-Handling“, erklärt er. Das seien Pakete, die entweder zu sperrig sind oder mehr als 31,5 Kilo wiegen – das Maxi­mal­ge­wicht für die von KEP-Diensten zuge­stellten Sendungen. Doch es sei immer noch Ware, die Kunden selbst mit dem Auto nach Hause trans­por­tieren könnten, wie beispiels­weise ein Sonnen­schirm. Der Kühl­schrank werde weiterhin mit Termin­ab­sprache bis nach Hause gelie­fert, so von Frie­ling. Die Frage sei, ob Endkunden die Haustür­zu­stel­lung oder – genau wie bei klei­neren Paketen – eine flexible, termin­un­ab­hän­gige Zustel­lung bevor­zugen. Die Antwort soll das Pilot­pro­jekt Kiezbox liefern.

Platz für große Güter

Eine Heraus­for­de­rung ist laut von Frie­ling, dass Rhenus das Einver­ständnis der eigenen Kunden braucht, um ein solches Projekt umzu­setzen. „Wenn Paket­dienst­leister eine Paket­sta­tion aufstellen, gibt es wenig Diskus­sion mit dem Versender“, erklärt er. „Unsere Branche ist da anders. Wir bieten beispiels­weise für schwere und sper­rige Güter eine höhere Service­tiefe an und müssen uns daher jedes Mal eins zu eins mit unseren Auftrag­ge­bern abstimmen, wenn wir einen neuen Ablauf imple­men­tieren.“ Wie viel Geld in das Vorhaben fließen soll, ist noch unklar. „Wir arbeiten mit dem Anbieter Storebox zusammen und sind deswegen sehr flexibel aufge­stellt, was die Größe der einzelnen Paket­boxen betrifft“, sagt der Leiter des Inno­va­tion Hubs. Zudem fallen aufgrund der Zusam­men­ar­beit keine Entwick­lungs­kosten an. Ob das Zustell­kon­zept nach dem Pilot­ver­such weiter ausge­baut werde, hänge von der Akzep­tanz der Händler und Endkunden ab. Um die Konkur­renz macht sich von Frie­ling erst mal nur wenig Sorgen. Er glaubt, dass sich Paket­dienst­leister ange­sichts der Paket­mengen auf Sendungen mit Stan­dard­größen fokus­sieren werden. Also Pakete, die gut in auto­ma­ti­sierten Paket­zen­tren sortiert werden können. „Da passt der große Fern­seher oder das große Fahrrad eben nicht so schön ins Bild“, so von Frieling.

Mit dem Projekt „Kiezbox“ will Rhenus heraus­finden, ob der Kunde eine Haustür- oder eine termin­un­ab­hän­gige Zustel­lung bevor­zugt.
Foto: Rhenus

„Ich bringe den Lkw und die Ware direkt in den Bezirk“.

Jonas von Frie­ling, Inno­va­tion Hub Rhenus Home Delivery

Depot im Hafen

Die Paketbox ist nicht das einzige Citylogistik-Konzept aus dem Hause Rhenus. Der Logis­tiker hat zudem ein Mikro­depot im Berliner West­hafen aufge­baut. Auch hier hat Rhenus sich von der KEP-Branche inspi­rieren lassen, auch wenn die Unter­schiede auf den ersten Blick erkennbar sind. „Das klas­si­sche Mikro­depot eines KEP-Dienstes irgendwo in einem Park­haus und mit Lasten­rä­dern passt auf den ersten Blick nicht ganz in unser Port­folio“, sagt von Frie­ling. „Aber mit dem Projekt Kiezbox haben wir ein Logis­tik­kon­zept entwi­ckelt, das ähnlich funk­tio­niert.“ Im Vertei­ler­zen­trum in Hoppe­garten werden nachts insge­samt zwölf halbe Wech­sel­con­tainer beladen und gebün­delt in die Stadt gebracht. „Das heißt, wir entlasten auch hier die Haupt­ver­kehrs­zeiten von unseren Lkw“, fügt er hinzu. „Zudem fahren wir auch weniger Kilo­meter und haben eine erhöhte Stopp­dichte. So können wir pro Tour mehr Kunden belie­fern bei gleich­zeitig redu­zierten Kilo­me­tern pro Auslie­fe­rung.“ Zusätz­lich zu den Umwelt­aspekten habe das Konzept auch einen weiteren Vorteil für Rhenus: „Wir können neue Arbeits­märkte erschließen“, sagt von Frie­ling. Denn Mitar­beiter müssten nicht mehr den weiten Weg bis zum Vertei­ler­zen­trum in Hoppe­garten auf sich nehmen, sondern viele könnten ihren Job nun direkt in der Stadt antreten. „Jetzt muss der Rhenus-Mitarbeiter, der viel­leicht sogar in Berlin- Mitte wohnt, nicht mehr nach Hoppe­garten, sondern ich bringe ihm den Lkw und die auszu­lie­fernde Ware in seinen Bezirk“, sagt von Frie­ling. Das spare wert­volle Frei­zeit und entlaste die Straßen zusätz­lich, da Ange­stellte mit öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln zum Depot fahren könnten und nicht mehr auf das Auto ange­wiesen seien. Das Mikro­depot wurde bereits im November 2020 test­weise in Betrieb genommen. Der Probe­be­trieb dauerte aber nur zwölf Monate. Die volle Inbe­trieb­nahme ist für Januar kommenden Jahres geplant. Eigent­lich wollte Rhenus das Konzept schon früher umsetzen, musste den Eröff­nungs­termin aufgrund der langen Liefer­zeiten für beispiels­weise Lkw aber verschieben. Der Logis­tiker setzt dabei voll und ganz auf batte­rie­elek­tri­sche Fahr­zeuge. Sowohl die Anlie­fe­rung der Wech­sel­con­tainer als auch die Zustel­lung auf der letzten Meile wird also rein elek­trisch erfolgen.

Quadrat­meter Fläche mindes­tens werden für einen dezen­tralen Umschlags­punkt im Spedi­ti­ons­ge­schäft benötigt

Quelle: Jonas von Frie­ling, Leiter Inno­va­tion Hub bei Rhenus

Keine Leer­fahrten

Ein Problem ist das Thema Fläche, erklärt der Innovation-Hub-Leiter. Denn für ein Mikrohub reiche Rhenus nicht der Park­platz in der Tief­ga­rage, wie das für KEP-Dienste der Fall sein kann. Das Unter­nehmen benö­tigt zwischen 750 und 1.000 Quadrat­me­tern Platz. „Flächen zu finden, kann wirk­lich ein Wachs­tums­hemmnis werden, denn die brau­chen ja auch noch eine logis­ti­sche Zulas­sung, und ich muss nachts anlie­fern dürfen“, sagt von Frie­ling. Ob Rhenus eines Tages nicht nur an seine Kiez­boxen liefern wird, sondern auch Retouren von dort mitnehmen kann, ist noch unklar. Auch bei den Mikro­hubs gebe es Über­le­gungen, den Rück­läu­fer­ver­kehr aus der Stadt hinaus für die Entsor­gung zu nutzen. „Es ist natür­lich denkbar“, sagt von Frieling.